25 Jahre Festivaldorf Bildein

Auf der Suche nach einem Veranstaltungsraum begann die Bildeiner Jugend im Jahr 1993 den alten Pfarrstadl in Eigenregie zu renovieren …

Die Vorgeschichte

Dieser kräfteraubende Akt führte schließlich zur Gründung ­eines eigenen Vereins, der sich zum Ziel genommen hat, den Stadl ­fertig zu renovieren und anschließend zu bespielen: Die Geburtsstunde eines neuen ­Kulturvereins. Im Mai 1997 gründeten 28 Landjugend-Mitglieder den Kulturverein KuKuK — Verein zur Förderung von Kunst, Kultur und Kommunikation im Pinkaboden. In der Gründungsphase bestand der Hauptzweck des gemeinnützigen Vereines in der Schaffung eines dörflichen Kommunikationszentrums. Parallel dazu begann man aber auch schon eine vielfältige Veranstaltungskultur aufzubauen. 

Die erste KuKuK-Veranstaltung fand am 30. Mai 1997 im Stadl statt: eine Musikveranstaltung mit der Gruppe „Lonestar“. In der Folge kam es zu „mäßig besuchten“ Veranstaltungen. Das erste Mal „ausverkauft“ hieß es im Mai 1999 mit der Güttenbacher Kabarettgruppe „Big Pigs“ und 220 Gästen. Das Jahr 2000 war der Start einer Erfolgsgeschichte: Es fanden die ersten „pictureON Rockkonfrontationen“ statt und damit der ehrgeizige Versuch, im Südburgenland ein Festival der verschiedenen Musik­stile zu etablieren.

Ein bunter Haufen will ein Festival machen

Wir schreiben den 23. September 2000: Der Altweibersommer sorgt für angenehme Temperaturen. Pünktlich um 14:30 Uhr erklingt »I Can’t Explain«. Die blutjunge Indiepop-Band »the_dication« aus dem Raum Kirchfisch eröffnet mit dem The-Who-Klassiker die »picture ON Rockkonfrontationen«. Mit überschaubaren hundert ­Besucher*innen, neun Bands aus der Region, Shuttlebussen, 100 Schilling Eintritt. Damals noch eintägig und indoor im alten Pfarrstadl.

Die Idee zum Veranstaltungsnamen „picture on“ — eine eigenwillig-kreative Übersetzung des Ortsnamens ins Englische —stammt dabei von Vereinsmitglied Harald Gombots. Schon damals zeichneten sich ein bis heute anhaltender Grundpfeiler des Festivals ab: Die bunte Mischung unterschiedlicher Musikgenres. Schließlich sind auch die Vereinsmitglieder sehr vielfältig, was Musikgeschmack und Alter anbelangt.

2001 fand das Festival bereits zweitägig und als Open-Air im „Festivalgelände“, wie das Areal der Pfarrgründe zwischen Kirchturm und Pfarrstadl genannt wird, statt. 2002 konnte mit „Ostbahn Kurt“ erstmals ein weitläufig bekannter Act der ­heimischen Musikszene gewonnen werden. Das Festival wurde zudem Teil des umfassenden EU-Projektes „Pinka-Net“, das in den kommenden Jahren viele grenzüberschreitende Impulse ermöglichte.

Das Festival wird international

Als Teil des grenzüberschreitenden EU-Projekts und mit Hilfe der Rockmusik sollen Grenzen in den Köpfen abgebaut werden: Die jahrzehntelang durch den Eisernen Vorhang getrennte Deutsch, Ungarisch und Kroatisch sprechende Region soll wieder ein Stück weit zusammen wachsen.

2003 fand das Festival an vier Tagen abwechselnd in Bildein und in Szentpéterfa statt. Noch vor dem Beitritt Ungarns in den Schengenraum war die Grenze ­während der Veranstaltung erstmalig durchgehend geöffnet und es fuhr ein Shuttle-Bus ­zwischen den beiden Spielorten. Im Vorfeld des Festivals fand auch der erste „Bandworkshop“ (bis 2012 als „Rockseminar“ durchgeführt) statt: Unter Anleitung von Profimusiker*innen konnten die Teilnehmer*innen des Seminars ihre musikalischen Fähigkeiten vertiefen und Gelerntes bei abendlichen Sessions und beim ­picture on festival auf der großen Bühne präsentieren.

2004 war das „picture on festival“, das seither wieder zweitägig und ausschließlich in Bildein stattfindet, mit 2.000 Gästen das erste Mal an einem Tag ausverkauft. Der Auftritt der finnischen Kulttruppe „Leningrad Cowboys“ war dabei Auftakt für ein immer hochkarätiger, immer internationaler werdendes Musikprogramm. In den darauffolgenden Jahren waren u. a. Marla Glen oder New Model Army in ­Bildein zu Gast und das Festival wurde mehr und mehr überregional wahrgenommen.

Mit den Auftritten des mehrfachen Grammy-Preisträgers Jimmy Cliff oder der ­brasilianischen Metal-Größe Soulfly avancierte das Festival 2007 vom Geheimtipp zum festen Bestandteil der österreichischen Festivallandschaft.

Besser, nicht größer

Zum 10-jährigen Festivaljubiläum im Jahr 2010 wuchs das picture on festival um eine zweite Bühne: die Uhudlerbühne im Apfelgarten. Im pittoresken Ambiente erhalten vor allem österreichische Acts Auftrittsmöglichkeiten, während das Programm auf der Hauptbühne – seit den Anfangsjahren unter der Platane vorm Kirchturm positioniert – mit immer größer werdenden internationalen Acts besetzt wurde. Premiere feierten in diesem Jubiläumsjahr auch das Platzkonzert am Campingplatz und der Marsch ins Festivalgelände mit dem Musikverein Eberau, die seither Fixpunkte der Programmplanung bilden.

2012 wurde das Festival um einen weiteren Programmpunkt erweitert: Das Lesungs­projekt „Anschiffen“ fand erstmals am Pinkastrand, der kleinen Sandinsel ­unter der Schleuse der Pinka, statt. Unter der Intendanz des südburgenländischen Schauspielers Christoph F. Krutzler und mit musikalischer Begleitung, lesen seither ­Literaten am schwimmenden Floß. Selbstgebaut von Vereinsmitgliedern, trägt das Floß den Namen „OMS Gonki“, in liebevoller Anspielung an das zu früh verstorbene Gründungsmitglied Ferenc Müllner. 

Zum 15-jährigen Festivalbestehen im Jahr 2015 präsentierte der Verein erstmals das „Pinkagold“ — ein exklusiv für das Festival entwickeltes Craft Beer mit Uhudlernote, gebraut vom Brauwerk der Ottakringer Brauerei. Spätestens seit dieser Jubiläumsausgabe ist die Nachfrage an Tickets weitaus höher als es der Platz zwischen Kirchturm und Apfelgarten zulässt. In den Folgejahren entwickelt sich ein regelrechter Ansturm auf die Tickets.

Seit 2018 ist das Festival um ein weiteres Highlight reicher: Beim „Musikalischen Dorfspaziergang“ lernen die Festivalgäste weite Teile der Ortschaft kennen. ­Begleitet vom Bürgermeister und einer Abordnung des Organisationsteams ­wandern die Besucher durch die Ortschaft, erfahren Wissenswertes über Bildein und machen Zwischenstopps bei Bildeiner Direktvermarkter*innen.

Im Jahr 2023 wurde mit dem picture on kids ein Herzensprojekt Wirklichkeit: Ein Festival für Kinder! Neben Live-Musik und Workshops kann unser Nachwuchs erstmals vor, auf und hinter der Bühne Festivalluft schnuppern — und soll damit frühzeitig für das Ehrenamt begeistert werden.

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